Coronakrise

Karstadt Kaufhof sucht Schutz unter Rettungsschirm

Die Corona-Krise setzt dem angeschlagenen Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof schwer zu. Das Unternehmen verliert durch die staatlich angeordneten Ladenschließungen viel Geld. Jetzt soll ein Schutzschirmverfahren das Überleben sichern helfen.

02.04.2020

© Galeria Karstadt Kaufhof

Warenhäuser wie das am Berliner Alexanderplatz müssen vorerst geschlossen bleiben.

Die Corona-Krise bedroht die Zukunft des letzten großen deutschen Warenhaushauskonzerns Galeria Karstadt Kaufhof. Der Handelsriese mit seinen mehr als 28.000 Mitarbeitern hat Rettung in einem Schutzschirmverfahren suchen müssen, wie das Unternehmen selbst mitteilt. Dieses Verfahren bewahrt in die Krise geratene Unternehmen vor dem Zugriff der Gläubiger, ohne dass die Betriebe bereits Insolvenz anmelden müssen. Die Geschäftsführung kann das Unternehmen weiter verantwortlich lenken und selbstständig sanieren.

"Die harten wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise für den innerstädtischen Non-Food-Handel und die langwierige Umsetzung staatlicher Hilfe über die Hausbank haben diesen Schritt notwendig gemacht", erklärt das Unternehmen. Nach eigenen Angaben verliert Galeria Karstadt Kaufhof durch die Schließung der Warenhäuser seit dem 18. März jede Woche mehr als 80 Millionen Euro Umsatz. Bis Ende April werde sich der Umsatzausfall auf mehr als eine halbe Milliarde Euro summieren.

Um die eigenen Kosten zu senken, hat der Warenhaus-Konzern bereits vor Wochen für weite Teile der Belegschaft Kurzarbeit beantragt. Nun ist dies auch für die 1.300 Mitarbeiter der Zentrale geschehen. Außerdem stoppt der Konzern die Mietzahlungen für alle Warenhäuser, Sporthäuser, Reisebüros und Logistikimmobilien. In einem Brief an die Vermieter schreibt das Unternehmen, die wegen der Corona-Pandemie staatlich angeordnete Schließung der Geschäfte lasse dem Unternehmen "keine andere Wahl".

Einigung mit Banken schwieriger als erwartet

Zugleich bemüht sich der Konzern um staatliche Hilfsgelder. Doch eine Einigung mit den Banken erweist sich als schwieriger als erhofft. Finanzvorstand Miguel Müllenbach klagt, der Prozess, in dem Geschäftsbanken eine entscheidende Rolle spielen, sei sehr bürokratisch und koste wertvolle Zeit. Der Ausgang sei letztlich ungewiss. Nun habe man nicht mehr länger warten können.

Die angeordneten Schließungen für Läden, die keine Lebensmittel verkaufen, stellen zurzeit viele deutsche Handelsketten vor große Probleme, weil plötzlich der Umsatz fehlt, die Kosten aber weiterlaufen. Für Galeria Karstadt Kaufhof ist die Situation allerdings doppelt schwierig. Denn die Krise trifft das Unternehmen mitten im Restrukturierungsprozess.

Die Warenhäuser kämpfen schon seit Jahren mit Umsatzrückgängen und roten Zahlen. Der Online-Handel, Einkaufscenter und veränderte Einkaufsgewohnheiten forderten ihren Tribut. Der Zusammenschluss von Karstadt und Kaufhof galt deshalb als letzte Chance für das in die Jahre gekommene Geschäftsmodell.

Restrukturierung soll weitergehen

Finanzvorstand Müllenbach betont: "Die Restrukturierung der Warenhäuser war vor dieser Krise auf einem sehr guten Weg." Das Unternehmen habe auf wichtigen Feldern wie der Digitalisierung, der Modernisierung der Logistik und der Neuausrichtung der Sortimente enorme Fortschritte gemacht und es sei dank der finanziellen Beiträge des Gesellschafters de facto schuldenfrei gewesen. Der Eigentümer von Galeria Karstadt Kaufhof, René Benko, selbst lobte noch Anfang März die Fortschritte im Sanierungsprozess. Der Stellenabbau im Zuge des Zusammenschlusse sei praktisch abgeschlossen, betonte er damals in Düsseldorf. Die Beschäftigten in den Kaufhäusern hätten nun einen stabilen Arbeitgeber.

"Nun tun wir unter dem Schutzschirm alles dafür, dass wir diesen Weg weitergehen können", betont Müllenbach. Die Geschäftsführung werde das Schutzschirmverfahren nutzen, um die Restrukturierung fortzusetzen und das Unternehmen zukunftsfähig neu aufzustellen.

Benkos Signa-Gruppe habe in den letzten Monaten bereits mehr als 500 Millionen Euro investiert und in dieser Woche zur Unterstützung des Unternehmens noch einmal weitere 140 Millionen Euro überwiesen, betont Galeria Karstadt Kaufhof. Auch in Zukunft werde Signa zu seiner Verantwortung stehen und zusätzliche Beträge in dreistelliger Millionenhöhe zur Verfügung stellen.

Doch geht es im Kampf um die Zukunft von Galeria Karstadt Kaufhof nicht nur um die Rettung des Unternehmens und der Arbeitsplätze seiner 28.000 Mitarbeiter, wie Müllenbach betont. Auch für viele deutsche Städte ist der Fortbestand der Warenhäuser als Ankerpunkte in ihren Innenstädten wichtig. "Wir wollen und werden auch in Zukunft einen entscheidenden Beitrag für den Fortbestand lebendiger Innenstädte in Deutschland leisten", verspricht der Manager.

Vom Amtsgericht Essen wurde der Düsseldorfer Insolvenzexperte Frank Kebekus zum vorläufigen Sachwalter im Schutzschirmverfahren bestellt, Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz unterstützt als Generalbevollmächtigter die Geschäftsführung.

Schlagworte: Warenhaus

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