Wie verlief das vergangene Geschäftsjahr für die Parfümeriebranche?
Die Bewertung ist ambivalent. Für einige Unternehmen, wie zum Beispiel Marktführer Douglas, war es ein erfolgreiches Jahr. Bei anderen verlief die Umsatzentwicklung rückläufig. In der Summe haben wir das Jahr mit einem kleinen Minus abgeschlossen.
Waren diese Unterschiede schon immer vorhanden oder sehen Sie darin Anzeichen für eine Marktbereinigung?
Diese Entwicklung ist relativ neu. Lange Zeit hat sich die Branche nahezu im Gleichschritt bewegt. Entweder ging es bei allen rauf oder bei allen runter, aber diese doch sehr unterschiedlich ausgeprägte Dynamik haben wir bislang nicht beobachtet.
Was sind die Gründe? Sorgt die starke Entwicklung der Online-Umsätze dafür, dass eher die großen Player punkten?
Das ist sicherlich ein wichtiger Faktor, aber nicht der allein entscheidende. Es ist immer einfach, das böse Internet als Grund für Umsatzrückgänge vorzuschieben. Zahlreiche Probleme sind aber einfach hausgemacht. Die Branche hat lange das Thema Sortiment vernachlässigt. Das rächt sich jetzt.
Was meinen Sie damit konkret?
Die starke Position der Marken in der Parfümeriebranche hat dazu geführt, dass jeder Anbieter glaubte, alle Marken im Sortiment haben zu müssen. Die großen Hersteller haben dabei nur zu gerne mitgespielt und immer mehr Waren in den Markt gedrückt. Zu viel Warendruck, nahezu identische Sortimente und die große Bedeutung des Faktors Preis im Onlinebusiness – das alles führte zu Rabattorgien, sogar im Weihnachtsgeschäft.
Ist der Preiskampf im Weihnachtsgeschäft in Ihrer Branche nicht völlig normal?
In gewissem Umfang ja. Im vergangenen Jahr lagen die Marktpreise jedoch zum Teil unter den Einkaufspreisen kleinerer Anbieter. Und selbst für große Anbieter wird es immer schwieriger, mit Standardprodukten auskömmliche Margen zu realisieren. Der Graumarkt im Internet und die dort vertriebenen Produktfälschungen sowie der Direktvertrieb der Lieferanten über Onlineshops befeuern diese Entwicklung zusätzlich.
Wie gehen die Unternehmen mit diesen Entwicklungen um?
Sehr unterschiedlich. Insbesondere die Großen der Branche setzen mit zunehmendem Erfolg auf Eigen- und Exklusivmarken, auch die Verbundgruppen greifen diese Strategie auf. Eine Reihe besonders innovativer und servicestarker Unternehmen hat bereits vor Jahren damit begonnen, alternative Sortimente aufzubauen, und setzt insbesondere auf Innovationen, Dienstleistung und Events. Das funktioniert ebenfalls sehr erfolgreich. Doch ein Teil des Marktes hat den Umbruch bis dato leider ignoriert.
Was bedeutet das für die betroffenen Unternehmen?
Sie geraten zunehmend in Schwierigkeiten. Ihre erfolgreichsten Umsatzbringer sind im Markt nur noch mit hohen Rabatten zu verkaufen. Gleichzeitig fehlen bisher häufig alternative Ideen. Zudem haben die Hersteller das Problem ebenfalls erkannt und streichen nun ihrerseits die Distribution zusammen. Daraus ergibt sich für die Unternehmen eine unkomfortable Situation.
Was raten Sie Ihren Mitgliedsunternehmen?
Insbesondere kosmetische Dienstleistungen erweisen sich seit Jahren als eine sichere Bank. Events und Workshops sind bei den Kunden ebenfalls gefragt, wie auch neue und innovative Produkte. Langfristig führt an der Überarbeitung der Sortimente kein Weg mehr vorbei.
War dies der Grund dafür, dass Ihr Verband vor drei Jahren wieder damit begonnen hat, eine Ausstellung mit der Parfümerietagung zu verknüpfen?
In der Tat. Unsere Aufgabe als Verband ist es, Veränderungen in der Branche zu begleiten und nicht den Status quo zu konservieren. Ein Sprichwort sagt: „Wenn alles bleiben soll, wie es ist, muss sich alles verändern.“ Entsprechend versuchen wir mit unserer Tagung und Ausstellung, Impulse zu geben: durch die Vorstellung neuer Marken und Produkte, aber auch über Vorträge und Best-Practice-Beispiele aus Unternehmen der Branche.
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