Davon profitieren die sogenannten „frei von“-Produkte, die im Supermarkt mehr und mehr an Fläche gewinnen. Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle, repräsentative Studie des Frankfurter Marktforschungsinstituts targeted. Wie aber erklärt es sich, dass gesunde Menschen sich einschränken und bei diesen speziellen Lebensmitteln auch höhere Preise in Kauf nehmen? Und welche Rolle spielt die Nahrungsmittelindustrie dabei? Fragen, denen die Studie „Lebensmittelintoleranz – die Vermarktung der Angst“ nachgeht. Befragt wurden Verbraucher zwischen 30 und 50 Jahren.
Die aktuelle Studie zeigt, dass man zwischen wirklich Betroffenen (33 Prozent) und Schein-Betroffenen (66 Prozent) differenzieren muss. Für Allergiker und Menschen mit Lebensmittelunverträglichkeiten wie Laktose-, Fructose- und Histaminintoleranz oder Zöliakie sind die im Handel angebotenen „frei von“-Produkte eine echte Hilfe. Allerdings wünschen sich die Befragten mehr „clean food“, bei dem die nicht vertragenen Inhaltsstoffe nicht durch künstliche ersetzt werden.
Grenzen für „frei von“-Produkte
„Für die Schein-Betroffenen bedarf es ehrlicher Aufklärung“, so die Feststellung von Peter Stiebeling, targeted-Gesellschafter. In der Studie unterteilt sich diese Zielgruppe noch einmal in Leicht- und Nicht-Betroffene. Beide sind stark durch Medien und Lifestyle beeinflusst. Angst, Neugierde und Experimentierfreudigkeit sind die Hauptmotivationen bei ihrem Ernährungsverhalten. Während die Leicht-Betroffenen eher zu „frei von“-Produkten greifen, spielen diese bei Nicht-Betroffenen kaum eine Rolle. Allerdings wählen die meisten Verbraucher auch bei diesen Lebensmitteln wegen ihrer Glaubwürdigkeit eher etablierte Marken. Deshalb ist Marketingexperte Stiebelig der Überzeugung: „Neue Produktkonzepte, die nur lanciert werden, um einen Hype auszunutzen, werden über kurz oder lang aus den Regalen der Supermärkte wieder verschwinden.“ Diese These wird auch durch die Aussagen der Probanden unterstützt, die sich bewusst sind, dass zu einer gesunden Ernährungsweise natürliche, unverfälschte Nahrungsmittel in ausgewogenem Maße gehören. Allerdings könne sich diese Ernährungsform in Zukunft nur die Bevölkerungselite leisten, so die Meinung der Befragten. Der Großteil der Verbraucher werde daher trotz allem zu industriell veränderten Nahrungsmitteln greifen.
Ein zwiespältiges Ergebnis, wie die Marktforscher urteilen. Dies wird auch von der Wissenschaft bestätigt: „Positiv ist die Tendenz, dass sich viele Verbraucher mit der Zusammensetzung von Lebensmitteln beschäftigen. Die zeigt, dass das Bewusstsein für eine gesunde Ernährungsweise zugenommen hat. Andererseits ist es nicht sinnvoll, einfach auf Lebensmittel zu verzichten, von denen man glaubt, sie nicht zu vertragen. Die für Unverträglichkeiten und Allergien angebotenen Lebensmittel sind jedoch sinnvoll, wenn tatsächlich eine ärztlich gesicherte Diagnose vorliegt“, betont der Ernährungswissenschaftler Sven-David Müller und Autor des Buches „Ernährungsratgeber Histamin-Intoleranz“. Es sei eine Herausforderung für die Industrie, die Tendenzen der Verbraucher zu erkennen und durch verbraucherfreundliche Kennzeichnung den Trend zu gesundheitsfördernder Ernährungsweise zu unterstützen.
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