Franchise: Partnerwachstum stagniert

Die Franchise-Wirtschaft in Deutschland legt 2017 ein moderates Wachstum hin und bleibt dabei ohne den erhofften Befreiungsschlag in Sachen Expansion.

23.01.2018

© Wolfram Scheible/Vom Fass

Die bundesweit 950 Systeme zählen 2017 rund 120.700 Franchise-Partner (+1,2 Prozent). Insgesamt beschäftigen sie in über 161.700 Betrieben (+ 1,5 Prozent) rund 710.000 Mitarbeiter (+ 1,8 Prozent) und erwirtschaften einen Systemumsatz von über 108 Mrd. Euro (+ 4,2 Prozent). Das sind die Ergebnisse einer aktuellen Vollerhebung des Bonner forum franchise und systeme. „Viele Systeme sind im letzten Jahr von innen heraus gewachsen“, erklärt Felix Peckert, Chef des forum franchise und systeme. Neben den bestehenden Partnern haben auch die Franchise-Geber selbst vermehrt eigene Standorte eröffnet.

Rein rechnerisch hat jedes System im Durchschnitt etwa 1,5 Franchise-Partner netto hinzugewonnen. „Um nachhaltig zu expandieren, bedarf es bei den meisten Systemen mindestens zehn neuer Partner pro Jahr“, erläutert Peckert. „Größere Systeme benötigen wahrscheinlich einen jährlichen Zuwachs von zehn Prozent, um nicht auf der Stelle zu treten.“

Erprobte Geschäftskonzepte finden sich in allen Branchen. An der Spitze steht weiterhin der Dienstleistungsbereich mit 35 Prozent. 30 Prozent der Systeme finden sich im Handel. Es folgen die Gastronomie-, Touristik- und Freizeit-Anbieter (25 Prozent) sowie der Bereich Handwerk, Bau und Sanierung (10 Prozent).

Junge Franchise-Systeme müssen heute mehr Geld in die Hand nehmen. Reichte es früher noch aus, profitable Betriebe zu vervielfältigen, muss heute massiv ins Personalmarketing sowie mitarbeiterzentrierte Arbeitsprozesse investiert werden. Auch dies ist ein Grund für das seit Jahren schwache Wachstum. Wer sich mit einem Franchise-Konzept selbstständig machen möchte, muss im Schnitt etwa 75.000 bis 125.000 Euro in einen Betrieb investieren.

“Um den Nerv von wechselwilligen Arbeitnehmern zu treffen, müssen Franchise-Geber jetzt die richtigen Weichen stellen“, ist sich Peckert sicher. Gefragt sind nicht nur neue Strategien in der Rekrutierung, die Franchise-Geber wettbewerbsfähig mit Arbeitgebern machen. Auch viele Betriebstypen müssen neu ausgerichtet und die Geschäftsprozesse vor dem Hintergrund der Digitalisierung optimiert werden. „Der Betriebstyp von morgen muss nicht nur vernünftiges Geld abwerfen und den Franchise-Partnern die Expansion ermöglichen“, verdeutlicht Peckert. „Er muss vor allem glücklich machen und damit allen Beteiligten eine hohe Jobzufriedenheit bringen.“

Schlagworte: Analyse, franchise, Jahresbilanz, Studie, Franchisesysteme, Franchise-Partner

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