Gläubiger machen Weg für Sanierung von Gerry Weber frei

Der ums Überleben kämpfende Modehersteller Gerry Weber ist nach eigener Einschätzung bei der finanziellen Sanierung einen entscheidenden Schritt vorangekommen. Die Gläubigerversammlung habe den Insolvenzplan mit großer Mehrheit angenommen, teilte die Gerry Weber International AG am Mittwoch mit. Die Gruppe der Aktionäre habe zwar ihre Zustimmung verweigert, ihr Nein könne das zuständige Gericht unter Verweis auf das Obstruktionsverbot aber aufheben und damit dem Insolvenzplan zur Umsetzung verhelfen.

 

Sachwalter Stefan Meyer rechne damit, dass das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung noch in diesem Jahr aufgehoben und die Sanierung außerhalb des Insolvenzverfahrens abgeschlossen werden könne. Gerry Weber mit immer noch mehr als 3600 Arbeitsplätzen könne in seinen Kernstrukturen erhalten bleiben, sagte Meyer laut Mitteilung. Gerry-Weber-Vorstandssprecher Johannes Ehling sprach von einer großartigen Nachricht, um bei der Neupositionierung des Unternehmens "so richtig durchzustarten".

 

Gerry Weber steckt seit Jahren in der Krise. Der Konzern leidet nicht nur unter dem Rückgang der Kundenfrequenzen in den Innenstädten und dem Siegeszug des Onlinehandels. Auch eigene Fehler, vor allem hohe Investitionen in ein eigenes Ladennetz, machten dem Unternehmen schwer zu schaffen. Ende Januar musste der Konzern Insolvenz in Eigenverwaltung anmelden.

 

Im Juli bekam das Unternehmen wieder eine Zukunftsperspektive, als die Finanzinvestoren Robus und Whitebox ihren Einstieg ankündigten. Sie wollen der Firma mit einer fast 50 Millionen Euro schweren Finanzspritze weiterhelfen. Für die Aktionäre hat der Insolvenzplan zur Folge, dass sie nach einem Kapitalschnitt ohne Entschädigung aus der Gesellschaft ausscheiden müssen. Wohl deshalb haben sie gegen den Insolvenzplan gestimmt.

 

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