Die Bundesregierung will mit einem milliardenschweren Schutzschirm verhindern, dass die Lieferketten im Handel in der Corona-Krise abreißen. Der deutsche Staat nimmt den Kreditversicherern Ausfallrisiken im Volumen von bis zu 30 Milliarden Euro ab, teilen das Finanz- und Wirtschaftsministerium mit.
Die Branche hatte befürchtet, dass ihr die Schäden angesichts des brachliegenden Einzelhandels und Produktionsstopps über den Kopf wachsen könnten. Der Bund erhält im Gegenzug 65 Prozent der Prämieneinnahmen für dieses Jahr.
Die Kreditversicherung schützt Lieferanten davor, dass ihr Kunde die Rechnung nicht zahlen kann oder will. Die Lieferanten würden sonst auf Vorkasse bestehen - was die Händler angesichts knapp kalkulierter Margen überfordern könnte. Laut dem Versichererverband GDV decken die Kreditversicherer mit ihren Zusagen auch 15 Prozent der deutschen Exporte ab.
“Für viele Unternehmen ist diese Krise bedrohlich, weil sie keine Aufträge mehr erhalten”, so Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier. “Und wenn noch Aufträge da sind, ist ungewiss, ob der Kunde am Ende zahlen kann.” Finanzminister Olaf Scholz befürchtet steigende Zahlungsausfälle: “Mit dem Schutzschirm sichern wir den Warenverkehr ab und sorgen so für einen reibungslosen Warenstrom.” Zurzeit könnten viele Unternehmen die Probleme aber noch alleine lösen.
2019 deckten die Kreditversicherer laut GDV Lieferungen im Wert von 411 Milliarden Euro ab. Euler Hermes ist mit einem Marktanteil von 43 Prozent der mit Abstand größte Warenkreditversicherer, dahinter rangieren Coface und Atradius.
Die Beitragseinnahmen in der Warenkreditversicherung lagen 2019 bei 817 Millionen Euro, die Versicherer mussten gut 400 Millionen an Schäden begleichen. Im laufenden Jahr nehmen sie die erste halbe Milliarde Euro auf sich, ehe der Bund einspringen würde. Die Staatsgarantie gilt rückwirkend für Kreditausfälle seit März bis zum Jahresende.
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