Die Ware leben

Fairschönert

Vegane Winterjacken? Klar, wo sonst, wenn nicht hier, in ­Berlin-Prenzlauer Berg. Den Ruf des Hauptstadtbezirks als Einzugsgebiet einer umweltbewussten, gut verdienenden Kundschaft verteidigt auch Judith Finsterbusch mit ihrem Laden.

Von Cornelia Dörries 21.01.2020

© Mirko Hackmann

Ethik und Ästhetik verknüpft: Judith Finsterbusch bietet metropolentaugliche Fair Fashion.

Nachhaltig und fair produzierte Mode führt sie in ihrer Boutique „Wertvoll“ – und zwar nicht obendrauf fürs gute Gewissen, sondern ausschließlich. Erste Überraschung: In dem kleinen, aufgeräumten Laden riecht es nicht nach Räucherstäbchen, sondern nach edlem Leder.

Zweite Überraschung: Fair und Fashion schließen sich nicht mehr aus. Anders gesagt: Die Kollektionen für Damen und Herren bei „Wertvoll“ haben mit dem Farm-Charme landläufiger Öko-Mode nichts gemeinsam, sondern verdienen allesamt das Prädikat „metropolentauglich“. Auch die veganen Winterjacken kommen in trendigen Styles daher.

Die dritte und vielleicht größte Überraschung ist der Erfolg, mit dem Judith Finsterbusch seit mehr als zehn Jahren einer Dynamik trotzt, die vor allem dem stationären Modehandel zusetzt. Sie hat mit ihrem Konzept eine sehr besondere Nische erobert: Ihr Sortiment verbindet modische Stilsicherheit mit dem, was sich ganz altmodisch als bleibende Werte bezeichnen lässt. Dazu zählen für Finsterbusch neben unbedingter Qualität in Sachen Material und Verarbeitung auch Fairness entlang der Lieferkette und transparente Produktionsbedingungen.

Leidenschaft für schöne Stoffe

Dazu arbeitet sie vor allem mit kleinen, inhabergeführten Manufakturen zusammen, die sie zum größten Teil persönlich kennt. „In Berlin waren wir mit diesem Konzept der erste Laden“, sagt Finsterbusch. Und räumt sofort ein, dass es damals nicht wenige gab, die sie für einigermaßen verrückt hielten. Denn sie hatte weder Erfahrung im Einzelhandel noch als Unternehmerin, sondern kannte von der Branche eigentlich nur die Hinterbühne.

Finsterbusch hat Modedesign studiert und lange in diesem Bereich gearbeitet. Lange genug jedenfalls, um angesichts der Routinen in der Textilindustrie über Alternativen nachzudenken. „Ich habe mich gefragt, ob ich auch auf ethisch verantwortliche Weise von meiner Leidenschaft für schöne Stoffe und gute Schnitte leben kann“, erzählt sie. Die Gründung einer Boutique für faire Mode war deshalb konsequent.

Mittlerweile beschäftigt Finsterbusch ein siebenköpfiges Team und kann in die landläufigen Klagen über den Niedergang des Einzelhandels nicht einstimmen. „Ich erlebe eigentlich das Gegenteil“, beteuert sie. „Die Menschen kommen gern in den Laden, vor allem dann, wenn sie auf unserer Website was Schönes entdeckt haben.“ Darunter sind auch Kollegen, die manchmal verdruckst und manchmal ganz offen nach dem Geschäftsgeheimnis von Judith Finsterbusch fragen. Dann verweist sie auf die Ware. Und freut sich. ●

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