Betriebsführung : Auf der sicheren Seite

Viele Einzelhändler sind auf Liquiditätsengpässe kaum vorbereitet. Wer Versicherungen und Bankverträge auf dem neusten Stand hält, kann deutlich ruhiger schlafen.

Von Michael Vetter 02.10.2015

Die Überraschung hätte für Johannes D., einen Einzelhändler aus dem Rheinland, kaum größer sein können: Beiläufig teilte ihm ein Kollege mit, dass dieser für einen Wasserschaden in seinem Betrieb in Höhe von etwa 15 000 Euro selbst aufkommen müsse. Zur Instandsetzung musste der Betrieb einige Tage geschlossen werden und erzielte entsprechend keine Einnahmen. Einzelhändler D. war vor allem deshalb verblüfft, weil er die Lage des betroffenen Unternehmens in einem Gewerbegebiet gut kannte: Aufgrund der unmittelbaren Nähe zu einem Kanal gilt es als hochwassergefährdet. Hätte der Unternehmer in seine Betriebsversicherung die sogenannte Elementarversicherung eingeschlossen, die für solche Schäden grundsätzlich aufkommt, wäre er nicht auf seinen Kosten sitzen geblieben. Doch – und wiederum war Händler D. verblüfft – hatte der Unternehmer für diese Erweiterung seines Versicherungsschutzes „bisher keinerlei Anlass“ gesehen.

Vorwürfe von der Hausbank

Aber es kam zunächst noch schlimmer: Als der Unternehmer seine Bank um einen höheren Überziehungskredit auf dem Geschäftskonto bat, um den Schaden begleichen zu können, musste er sich schwere Vorwürfe gefallen lassen. „Gibt es denn bei Ihnen keine Vorsorgeplanung für derartige Fälle?“, entgegnete der Bankberater und machte darüber hinaus deutlich, dass ein entsprechender Vorsorge- oder Notfallplan ein wichtiger Punkt bei der Beurteilung und Vergabe von Krediten sei. Die Bank genehmigte die notwendige Liquidität erst, nachdem der Unternehmer einer sofortigen und sorgfältigen Überprüfung des Versicherungsschutzes seines Betriebes zugestimmt hatte. Einzelhändler D. war von der Erzählung seines Kollegen alarmiert. Noch am gleichen Abend durchforstete er die eigenen Versicherungsunterlagen und registrierte erstaunt, dass er sowohl seine privaten als auch die betrieblichen Versicherungen seit fast vier Jahren nicht überprüft hatte.

Vielschichtige Notfallplanung

D. und sein Unternehmerkollege sind mit ihrer nachlässigen Einstellung zur Vorsorge keine Einzelfälle. Viele Unternehmer schenken der individuellen Notfallplanung viel zu wenig Aufmerksamkeit. Im Idealfall sollte sich diese Planung auf sämtliche unternehmensrelevanten Bereiche erstrecken: Das heißt vor allem, dass der Versicherungsschutz kontinuierlich überprüft und an die Entwicklung des Betriebes angepasst wird. Gleiches gilt für private Versicherungspolicen, die regelmäßig den jeweiligen Lebensverhältnissen des Unternehmers und seiner Familie anzugleichen sind.

Regelmäßiges Controlling

Darüber hinaus gilt es den Cash-Flow beständig im Blick zu halten. Regelmäßiges Controlling verdeutlicht die unmittelbaren Konsequenzen vor allem aus Umsatz- und Ertragsrückgängen und ermöglicht eine ebenso rasche wie präzise Analyse der betriebswirtschaftlichen Kennzahlen. Dazu zählt auch ein funktionierendes Forderungsmanagement, das für Liquidität sorgt. Bei der Fremdkapitalfinanzierung gilt es, Höhe und Laufzeit der Überziehungskredite regelmäßig zu überprüfen.

Auch betriebliche Darlehen stehen zur Disposition. Mögliche Umschuldungen können hier genauso wichtig sein wie ein regelmäßiger Informationsaustausch mit der Bank – beispielsweise über Sonderkredite oder Förderprogramme. Nicht zuletzt müssen Betriebsinhaber für den Fall vorsorgen, dass sie selbst überraschend die Geschäfte nicht mehr weiterführen können. Um sicherzustellen, dass der Laden auch im Fall der Fälle weiterlaufen kann, bedarf es klarer und verbindlicher Regelungen für den täglichen Geschäftsverkehr samt entsprechender Bankvollmachten.

Verbesserung des Kreditratings

D., durch seine eigenen Versäumnisse aufgeschreckt, hat sich entschlossen, mit seinem Steuerberater und seiner Hausbank sämtliche relevanten Punkte zu besprechen und ein Organisationshandbuch mit verbindlichen Regeln für alle Mitarbeiter einzuführen. Er verspricht sich davon nicht zuletzt auch eine Verbesserung seines betrieblichen Kreditratings.

Schlagworte: Betriebsführung, Finanzierung, Vorsorge

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