Mundgeblasen

Als nervtötendes Einsteigerinstrument geschmäht, leidet die Blockflöte unter einem schlechten Ruf. Ernsthafte Flötisten benötigen jedoch hochwertige Modelle. Die verkauft Silke Kunath in ihrem Blockflötenparadies.

Von Mirko Hackmann 24.10.2017

© Markus Berdux

Als Kind pfiff Silke Kunath auf die Flöte und entschied sich fürs Reiten. Die Leidenschaft für dieses Instrument entfachte erst ihr Mann Joachim. Das geschah im September 2001 auf einer Messe in Bahrain, wo Kunath Objekte aus Murano-Glas präsentieren wollte, die aber wegen der Anschläge in New York im Zoll stecken geblieben waren. Mangels Ware half sie ihrer neuen Bekanntschaft, einem Blockflötenbaumeister, bei der Warendekoration. „Da hat’s gleich gefunkt“, sagt Kunath lachend.

In den Jahren zuvor war sie nach dem Besuch der Modeschule in Stuttgart für Jil Sander im Ein- und Verkauf tätig und hatte Kinderspielzeug aus Holz vertrieben: „Ich war schon immer eine passionierte Einzelhändlerin; zu beraten und zu verkaufen hat mir stets viel Freude bereitet.“ Nun also Blockflöten. Zunächst holt sie ihr Mann zum Hersteller Mollenhauer, wo sie binnen fünf Jahren alles über das Instrument lernt, eine Seminarplattform für Händler entwickelt und Schulkindern beibringt, selbst Blockflöten zu bauen. Im Jahr 2006 schließlich wagt das Paar den Schritt in die Selbstständigkeit.

Das erste Ladenlokal eröffnen sie in ihrem Reihenhaus. Wohn- und Esszimmer dienen als Verkaufsraum, Keller und Garage als Werkstatt. Zugleich geht der Blockflötenshop online. 2012 folgt der Umzug ins heutige Ladenlokal, einen ehemaligen Supermarkt. Hunderte von Instrumenten aus aller Welt lagern dort: von Garkleinblockflöten über Sopran- und Tenorblockflöten bis zu Bassblockflöten, darunter Objekte mit einer klingenden Länge von 3,60 Metern. Der Preis für einen Paetzold by Kunath Subkontrabass in der Ausführung Birkensperrholz Kirsch Airbrush: 6.750 Euro. Zudem dient der Blockflötenshop amerikanischen und japanischen Edelmarken, wie von Huene oder Takeyama, als europäischer Stützpunkthändler.

Doch es sind nicht allein Produktqualität und Sortimentsbreite, die den Erfolg bringen. „Unsere Besonderheit ist die Spezialisierung auf eine einzige Instrumentenart und die damit einhergehende Beratungskompetenz“, glaubt Kunath. Zudem dürfen die Kunden alle Flöten selbst ausprobieren: Onlinebesteller erhalten Auswahlsendungen, sodass sie die Modelle zu Hause testen können; Kunden, die sich im Laden nicht entscheiden können, ziehen ins jüngst eröffnete Gästehaus. „Und an 16 Wochenenden im Jahr finden Seminare statt, wo Profimusiker, wie der Echo-Preisträger Daniel Koschitzki, die Feinheiten der musikalischen Aufführungspraxis vermitteln“, berichtet Kunath.

Großgeschrieben wird im Blockflötenshop zudem der Garantieservice. Drei zusätzliche Jahre packt Kunath auf die zwei Jahre Herstellergarantie drauf. Im Schadensfall landen die Instrumente im Blockflötensanatorium, wo sie Joachim Kunath von Heiserkeit (durch gequollenes Holz verursachtes Quieken) oder vom Wolf (durch Verzerrungen beim tiefen F erzeugtes Grummeln) befreit.

Manche „Patienten“ landen auch bei Sibo Kunath, dem Sohn der Familie. Der 26-Jährige hat bei seinem Vater die Ausbildung zum Instrumentenbauer absolviert und strebt seinen Meister an. Eine Sonderbehandlung erfährt er nicht. Wie für alle Auszubildenden im Betrieb galt auch für ihn als Einstellungsbedingung: Blockflöte lernen.


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Schlagworte: Die Ware leben, Serie, Musikinstrumente, Blockflötenhandel

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