Wie Umfragen zeigen, benennen Konsumenten Wartezeiten an der Kasse besonders häufig als einen der störenden Momente auf ihrer Customer Journey. Zwar arbeiten internationale Konzerne wie Amazon oder JD.com an Konzepten ohne Kassenzone, diese Lösungen gehen aber mit weitreichenden ladenbaulichen Maßnahmen einher und sind bislang nicht voll einsatzfähig. Händler, die nicht auf die Marktreife warten wollen, können alternativ auf Self-Scanning-Lösungen zurückgreifen, die bereits in unterschiedlichen deutschen Einkaufsformaten Einzug gehalten haben.
Insbesondere der Lebensmitteleinzelhandel und Baumärkte sammeln aktuell erste Erfahrungen mit dieser Technologie und verfolgen dabei nicht ausschließlich eine höhere Kundenzufriedenheit als Ziel. Auch die anfallenden Kundendaten sind ein wichtiges Argument für die Einführung. Diese und zahlreiche weitere Praxisbeispiele für gut funktionierende Digitalkonzepte hat das IFH Köln im Auftrag des Wirtschaftsministeriums NRW im „Digitalisierungsatlas Handel – Strategien und Empfehlungen für die digitale Transformation stationärer Händler“, zusammengetragen.
Alle Bezahlmöglichkeiten direkt in der App
Ein Beispiel für die erfolgreiche Einführung und Etablierung einer Self-Scanning-Lösung sind die Knauber Freizeitmärkte. Die Knauber Unternehmensgruppe mit Sitz in Bonn zählt mit rund 700 Mitarbeitern zu den großen mittelständischen Unternehmen. Bereits zu einem frühen Zeitpunkt setzte die Unternehmensgruppe auf die Self-Scanning-Lösung von Snabble.
Das Start-up mit Sitz in der Bonner Innenstadt arbeitet daran, die Convience des Kaufabschlusses beim Onlineshopping in den stationären Handel zu übertragen. Neben den Knauber Freizeitmärkten setzen auch Globus-Baumärkte und Ikea Snabble als Testballon ein.
Jedes Produkt, dass der Kunde in seinen Einkaufswagen legt, scannt er mithilfe seines Smartphones über die Snabble-App. Der aktuelle Gesamtwert des Warenkorbs erscheint in Echtzeit auf dem Display. Zum Ende des Einkaufs kann der Kunde den Bezahlvorgang direkt in der App abschließen. Dazu stehen ihm die im Onlinehandel üblichen Zahlungsoptionen wie Lastschrift, Kreditkarte oder PayPal zur Verfügung.
Zur Verifizierung erzeugt die App im Anschluss an den Bezahlvorgang einen QR-Code, der an einem Terminal im Ausgangsbereich ausgelesen wird. Der Terminal entscheidet per Algorithmus, ob der Kunde den Laden mit der gekauften Ware direkt verlassen kann oder ein Mitarbeiter den Kauf prüft. Dies geschieht auch in Fällen, in denen Produkte gekauft wurden, die eine Altersprüfung erforderlich machen. Dieser Prozess kann dem Kunden gegenüber positiv erklärt werden: So gibt der Blick auf den Bon ihm das Gefühl, nicht zu viel zu zahlen, zum Beispiel durch versehentliches doppeltes Scannen von Ware.
Geringer Integrationsaufwand
Neben dem Bonner Start-Up sind auch weitere Unternehmen mit vergleichbaren Lösungen am Markt. Hornbach nutzt zum Beispiel eine App aus der eigenen Entwicklung und das Modehaus Wahl in Ertingen verwendet die BuyBye-App von Roqqio Commerce Solutions. Alle Lösungen haben gemein, dass sie dem Kunden eine Zeitersparnis bieten.
Mittelständischen Unternehmen bieten diese digitalen Lösungen den Vorteil, dass der Integrationsaufwand gering ist. Überdies können Händler über die App Daten gewinnen und zur Sortimentsoptimierung nutzen. Wenn App-Anwender zudem den Registrierungsprozess durchlaufen, liegen personalisierte Daten vor, die sich auch für Marketingaktivitäten sowie zur Kundenbindung einsetzen lassen.
Kommentare
Mir stellt sich an dieser Stelle die Frage, in weit sich diese Vorgehensweise mit der seit diesem Jahr geltenden Kassensicherungsverordnung vereinbaren lässt. Das ist ja definitiv kein Onlinehandel. Eine Signatur bei jedem Scanvorgang durch eine TSE lässt sich sicherlich auf dem Smartphone des Kunden auch nicht so leicht realisieren.
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